Management und Recht

Ausgangslage

 

  1. Das Recht gewinnt zunehmend unmittelbaren Einfluss auf die tägliche Arbeit, das operative Handeln und die strategische Ausrichtung von Unternehmergesellschaftern, Vorständen und Geschäftsführern (Oberbegriff: Manager) deutscher Kapitalgesellschaften (AG, GmbH, KGaA), Kapitalgesellschaften & Co. und Konzerne.
  2. Die sich dynamisch verändernden rechtlichen Rahmenbedingungen auf nationaler, supranationaler und internationaler Ebene erfordern eine kontinuierliche Überprüfung der Organisations-, Finanz- und Kommunikationsverfassung des Unternehmens, die regelmäßig die Notwendigkeit von Anpassungen offenbart, um Haftungsrisiken für die Gesellschaft selbst, für ihre wirtschaftlichen Eigentümer und vor allem auch für ihre Manager nach Möglichkeit zu vermeiden oder zumindest gering zu halten (Compliance-Gedanke).
  3. In den jüngst verabschiedeten und in naher Zukunft geplanten Regelwerken des deutschen (z.B. Finanzmarktförderplan 2006), des europäischen (z.B. Aktionsplan Corporate Governance) und des US-amerikanischen Gesetzgebers (z.B. Sarbanes-Oxley Act) ist eine deutliche Tendenz zu erkennen, unter Oberbegriffen wie Anleger- und Verbraucherschutz, Unternehmensintegrität und Transparenz in zahlreichen Rechtsgebieten einen verschärften Maßstab für unternehmerisches Handeln zu formulieren.
  4. Die große Mehrzahl der Unternehmen, die ihre Aktivitäten und Pläne nicht ohne Außenfinanzierung bewältigen und umsetzen können, müssen sich für den weltweiten Wettbewerb um Eigen- und Fremdkapital rüsten, der von einer zunehmend mächtigen Kapitalmarktaufsicht überwacht wird. Wer einen Bankkredit in Anspruch nehmen, eine Anleihe begeben oder moderne Finanzinstrumente wie etwa eine ABS-Struktur nutzen will, muss sich spätestens nach endgültiger Umsetzung von "Basel II" im Regelfall einem Rating oder einem vergleichbaren Test unterziehen, dessen Ergebnis über die Kosten der Kapitalaufnahme entscheidet. Wer sein Unternehmen oder Teile davon verkaufen und Venture Capital, Private Equity oder sonstige Formen von Eigenkapital aufnehmen will, muss sich einer Due Diligence unterwerfen, wer den Börsengang wagt, braucht Börsenreife.
  5. Jede unternehmerische Entscheidung mit Bedeutung für die weitere Entwicklung der Gesellschaft kann mit einem interdisziplinären Ansatz optimiert werden. Insbesondere im deutschen Mittelstand bestehen jedoch nach wie vor erhebliche Vorbehalte gegen die Einbindung von Juristen in den Prozess der Entscheidungsfindung (präventiv, gestaltend), die stattdessen allzu oft erst eingeschaltet werden, wenn bereits konkrete Konflikte oder Streitigkeiten aufgetreten sind (reaktiv, verteidigend). Umgekehrt sind bei den Juristen an breiter Front eine tiefe Verunsicherung im Umgang mit ökonomischem Gedankengut und eine kaum zu erklärende Scheu vor interdisziplinärer (Team-)Arbeit feststellbar.
  6. Die zunehmend komplexeren Vorgaben der Gesetzgeber für das Management lassen es als unverzichtbar erscheinen, bei der Planung, Vorbereitung und Umsetzung unternehmerischer Entscheidungen ökonomische und juristische Überlegungen gleichermaßen einfließen zu lassen und ggf. unter besonderer Berücksichtigung finanztechnischer und kommunikativer Aspekte zu einer auf die individuellen Verhältnisse des Unternehmens abgestimmten Strategie zu vereinen.

weiter

print